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Sportheimwirtin Beate Dülfer im Porträt des Weilburger Tageblatts
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„Das ist alles eine Frage der Organisation“
Beate Dülfer aus Drommershausen ist Mutter von elf Kindern
Von Carmen Schmidt (06471) 938027
c.schmidt@mittelhessen.de
Weilburg-Drommershausen. Mittagessen in der Großfamilie heißt: Drei Kilo Kartoffeln, zehn Päckchen Quark. „Die Großen essen gerne Pellkartoffeln mit Kräuterquark“, sagte Beate Dülfer. Die Kleinen mögen keinen Quark, also gibt es Bockwürstchen. Mit den „Kleinen“ meint die 41-Jährige ihre jüngsten Kinder, die noch zur Grundschule oder in den Kindergarten gehen. Das sind vier. Mit den „Großen“ meint sie ihre anderen Kinder, die noch zu Hause leben. Das sind sechs. Die ganz Große ist schon aus dem Haus, hat selbst zwei Kinder. „Ich wollte immer Mutter sein. Das steckt mir im Blut“, sagt Beate Dülfer. Auch mit zehn Kindern im Haus lässt sich der Alltag bewältigen, findet sie. „Das ist alles eine Frage der Organisation.“
6.30 Uhr: Für Beate Dülfer beginnt der Tag. Die Großen haben sich schon fertig gemacht, haben gefrühstückt, sind auf dem Sprung, um in die Schule oder auf die Arbeit zu fahren. „Ich sage ihnen dann noch kurz ‘Tschüss‘.“
6.45 Uhr: Beate Dülfer weckt Mary-Jane (11), Maximilian (9) und Alexandra-Selina (7). Schon am Abend hat sie ihnen die Kleider hingelegt, die sie zur Schule anziehen sollen. Während sich die drei anziehen, macht Beate Dülfer das Frühstück.
7.30 Uhr: Die drei Kinder gehen zum Bus und fahren zur Schule. Sofern der Bus denn kommt. Am Freitag war das nicht der Fall. Plötzlich standen sechs Drommershäuser Schulkinder vor der Tür. Beate Dülfer rief einen Bekannten an, mit zwei Autos brachten sie die Kinder nach Löhnberg zur Grundschule. „Von den Müttern bin ich die einzige, die Hausfrau ist. Und da habe ich mich bereit erklärt, mich in solchen Fällen zu kümmern.“ Beate Dülfer hilft auch sonst gerne, wenn sie kann. Wenn die Freundin im Krankenhaus liegt und deren Kind eine Woche lang betreut werden muss zum Beispiel. „Da hilft man doch. Und auf ein Kind mehr kommt es bei uns nicht an.“
Zurück zu einem normalen Morgen in der Großfamilie: Wenn die drei Grundschüler aus dem Haus sind, weckt Beate Dülfer ihre Jüngste, Loradana (5). Während sich ihre „Kleine“ fertig macht, schüttelt die Mutter die Betten auf und lüftet in den Kinderzimmern. „Das ist alles reine Routine.“ Gemeinsam mit ihrer Jüngsten frühstückt sie, trinkt die erste Tasse Kaffee.
8.45 Uhr: Beate Dülfer bringt Loradana in den Kindergarten. Mischlingshündin Leila darf mit.
9 Uhr: Kurz nach neun ist Beate Dülfer wieder zurück. „Dann fange ich mit der Hausarbeit an.“ Sie räumt die Spülmaschine mit dem gespülten Geschirr vom Abendessen aus, stellt benutzte Teller, Schüsseln, Tassen in die Maschine. „Ein Durchgang reicht meistens nicht.“ Sie macht Betten, saugt die Räume, hängt Wäsche auf oder steckt Kleidungsstücke in den Trockner, stellt die Waschmaschine an, die durchschnittlich vier Mal am Tag läuft. Damit die Schulsachen mehrmals getragen werden können, müssen sich die Kinder umziehen, wenn sie nach Hause kommen. „Zum Spielen ziehen sie ältere, bequemere Sachen an.“ Wenn dann beim Herumtoben im Wald oder am Bach eine Hose am Knie aufreißt, ist das eben so. „Das macht nichts.“
10.30 Uhr: „Ratzfatz ist es halb elf. Und dann fange ich schon an, das Mittagessen vorzubereiten.“ Zwei Mal in der Woche macht Beate Dülfer einen Großeinkauf, immer mittwochs und samstags. Wenn darüber hinaus etwas fehlt, besorgt das ihr Ehemann Wilhelm. Drei Tage im Voraus plant sie, was es zu essen geben soll. Etwa 50 Euro täglich benötigte die Großfamilie kurz nach der Einführung des Euro – allein für Lebensmittel und den Grundbedarf. Ohne Schulhefte und andere notwendige Sachen. Inzwischen sind es 70 Euro täglich. „Es ist alles teurer geworden.“ Um den Überblick über die Ausgaben zu behalten, führt die 41-Jährige ein Haushaltsbuch.
11.55 Uhr: Beate Dülfer holt Loradana aus dem Kindergarten ab.
13.05 Uhr: Die drei Grundschulkinder kommen nach Hause. Dann wird zu Mittag gegessen. Die Großen machen sich das Essen warm, wenn sie am Nachmittag nach Hause kommen.
14 Uhr: „Um zwei Uhr fange ich an, mit drei Kindern Hausaufgaben zu machen“, sagt Beate Dülfer. Die Kleinste, Loradana, spielt in dieser Zeit mit ihrem Barbiehaus oder malt am Wohnzimmertisch. Zweimal in der Woche übernimmt die 18-Jährige Tochter Josephine die Hausaufgabenbetreuung. Die Großen helfen den Kleinen – das Prinzip in der Großfamilie. Alle Kinder, vor allem die größeren, haben ihre Pflichten: Die Jungs kehren die Straße, bringen den Müll raus. Die Mädchen räumen nach dem Abendessen den Tisch ab. Bis auf die beiden Jüngsten müssen alle Kinder ihre Zimmer sauber und ordentlich halten. „Das kontrolliere ich auch.“
Wenn die Kinder in der Schule Stress haben, Abschlussprüfungen anstehen, viel gelernt werden muss, dann drückt Beate Dülfer auch ein Auge zu. „Da ist dann eben mal nicht so viel mit Helfen.“
15.30 Uhr: Nach etwa ein bis zwei Stunden haben die drei Grundschüler ihre Hausaufgaben erledigt. Das Telefon klingelt, die Kinder verabreden sich oder laden ihre Freunde ein. In der Küche der Großfamilie wird dann zum Beispiel mit Salzteig gebastelt. „Ich beschäftige mich gerne mit den Kindern“, sagt die elffache Mutter. Auch wenn das heißt, dass fünf bis sechs kleine Bastelkünstler die Küchenmöbel mit einer feinen Mehlstaubschicht überziehen. Nein, mit den Kindern werde es ihr eigentlich nie zu viel. Nur in den letzten beiden Wochen der Sommerferien, wenn alle da sind, keine Ferienfreizeiten mehr auf dem Programm stehen, kann es sein, „dass ich öfter mal Luft holen muss.“
Zurück zum Alltag: An drei Nachmittagen in der Woche stehen die Freizeitaktivitäten der Kinder auf dem Programm. Montags muss Alexandra-Selina zum Handballtraining beim Turnverein Weilburg gebracht werden. Loradana hat freitags Training. Drei Kinder besuchen die AG „Zirkus“ des TV Weilburg. Chor, Voltigieren, Training bei der DLRG. „Das muss alles organisiert werden. Schön ist, dass die Großen so selbstständig sind und mithelfen können.“
Wenn sonst nichts ansteht, hat Beate Dülfer am Nachmittag ein wenig Freizeit. Dann setzt sie sich in den Hof, trinkt mit ihrer Schwester einen Kaffee, spielt mit der Kleinen. Oder legt Wäsche zusammen. Die Hausarbeit macht sie gerne, sagt sie. „Ich bügele auch gerne.“
Nur Fensterputzen, das ist nichts für sie. Als kürzlich die älteste Tochter Yvonne zu Besuch war, hat sie ihr deshalb beim Fensterputzen geholfen. Die 25-Jährige war für ein paar Tage mit ihren beiden Kindern nach Drommershausen gekommen. „Das war schön“, sagt Beate Dülfer. Auch für die Kleinen, denn Tochter Loradana versteht sich gut mit der dreijährigen Enkelin Chantalle. An Sonntagen
ist für Beate Dülfer Ruhetag – jedenfalls ein klein wenig 18 Uhr: Bis zum Abend müssen die jüngeren Kinder wieder da sein, wenn sie zum Spielen außer Haus waren.
18.30 Uhr: Abendessen. Die Großfamilie kommt zusammen. „Während des Abendessens wird nicht geredet. Sonst albern die Kleinen nur rum“, sagt Beate Dülfer. Aber sobald der Tisch abgeräumt ist, können die Kinder los werden, was sie beschäftigt. „Da können alle erzählen, was sie wollen.“
20.15 Uhr: Die jüngeren Kinder gehen ins Bett. Dann hat Beate Dülfer meistens Feierabend. Manchmal strickt sie am Abend noch oder näht Knöpfe an.
An Sonntagen ist für Beate Dülfer Ruhetag. Oder jedenfalls ein klein wenig: „Ich mache dann zum Beispiel keine Wäsche, sondern nur das Nötigste: Ich kümmere mich um das Essen, spüle Geschirr.“ An ihrem Ruhetag kann sie auch ein wenig länger schlafen, ihre Kinder und ihr Mann machen dann das Frühstück. Und was passiert heute, am Muttertag? Ihren größten Wunsch – einmal ein Wochenende ohne Kinder verreisen – kann ihr die Familie im Moment zwar nicht erfüllen. Trotzdem haben sich die Kleinen ein paar Überraschungen überlegt. Seit Tagen schon basteln sie mit den großen Geschwistern. Am Donnerstag wurde Mama kurzerhand aus der Küche geschickt. Schließlich soll die Überraschung gelingen. Für den Muttertag in der Großfamilie.
Zur Person
Name: Beate Dülfer
aufgewachsen: als zwölftes von 13 Kindern in Gräfentonna (Landkreis Gotha in Thüringen)
Wohnort: Weilburg-Drommershausen
Alter: 41 Jahre
Beruf: erlernte zu DDR-Zeit den Beruf der Schreibmaschinen-Installateurin, später den Beruf der Hotelfachfrau
Familie: verheiratet, Mutter von Yvonne (25 Jahre), David (23 Jahre), Victoria (20 Jahre), Josephine (18 Jahre), Michéle (17 Jahre), Kevin (15 Jahre), Mary-Ann (13 Jahre), Mary-Jean (elf Jahre), Maximilian (neun Jahre), Alexandra-Selina (sieben Jahre) und Loradana (fünf Jahre). Großmutter von Chantalle (drei Jahre) und Lukas (zwei Jahre).
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geschrieben von André Bethke am 13.05.08 um 10:04
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