|
|
|
TuS News |
| |
|
1702
|
E-Mail aus Auckland
|
|
|
Von Gösta Kiefer (derzeit am anderen Ende der Welt).
So, nachdem die erste Arbeitswoche mehr oder weniger erfolgreich über die Bühne gebracht worden ist und man sich im Nachhinein doch wieder ärgert, weder beim Höhlen-Schröder noch bei der Ehlert- Guddi dem Englisch-Unterricht mit Leidenschaft beigewohnt, sondern stattdessen die Bekanntschaft der verschiedenen Flure vorgezogen zu haben. Aber hinterher ist man immer schlauer. Und Mama und Papa habens eh immer gewusst.
Nach harter Arbeitswoche hat man sich natürlich das Wochenende redlich verdient. Und wie verbringt man dieses am Besten in Neuseeland? Na klar, was liegt näher, als sich noch acht andere Deutsche zu schnappen und mal in geselliger Runde einen drauf zu machen. Im Endeffekt ist Auckland da auch Frankfurt ziemlich ähnlich. Viele Kulturen, babylonisches Sprachgewirr und ab und an trifft man mal auf nen Deutschen. Aber wenn ich erstmal mein eigenes Zimmer habe, werde ich wohl auch den Kontakt zu „dem Eingeborenen“ suchen.
Samstag morgens stand dann ein Spiel der U12 von Onehunga (Stadtteil von Auckland) an, die von Boris und nun auch mir trainiert wird. Sie spielen in der höchsten Spielklasse (Premier Division), wobei das, meiner Meinung nach, jedes Team hier tut. Das bestätigt auch wieder meine Theorie über die Freunde aus dem Ostblock, die irgendwo in der A-Klasse kicken, aber zu Hause mindestens 2. Liga gespielt haben (Das kann vielleicht in Liechtenstein der Fall sein!). Der Theorie nach geht’s dort nur bis Liga Zwei und danach wird nach Buchstaben sortiert. Die Spieler von Onehunga sind fast alle in der Academy und wir werden praktisch von WYNRS dorthin vermittelt, um sie auch im Spielbetrieb zu begleiten. Das hat schon ein wenig was von Entwicklungshilfe! Kaum am Sportplatz angekommen erwarteten mich fünf absolut perfekte Rasenplätze und ein Wahnsinns-Vereinsheim. Man hat es sich trotzdem nicht nehmen lassen, das Spiel ausfallen zu lassen, da alle Plätze als unbespielbar galten. Sollte in Kubach also jemals wieder der Platz gesperrt sein, die Älteren unter uns werden sich erinnern, ist das nicht zu hinterfragen!
Abends stand dann Rugby auf dem Programm: „All Blacks“ (NZL) gegen „Wallabies“ (AUS)
Das ist von der Rivalität in etwa vergleichbar mit Fußball Deutschland – Holland oder alle Oberlahnvereine – Kubach. Allerdings alles in absolut freundschaftlicher Atmosphäre. Da sitzt man friedlich beieinander und erfreut sich der körperlichen Ertüchtigung gut gebauter Menschen, die sich nicht zu schade sind, auch mal zur Sache zu gehen.
Das neuseeländische Team wird überall nur „All Blacks“ genannt, was sich auf Grund der dunklen Spielkleidung erklärt, zumindest mir. Der verstorbene Gerhard Höllerich hat hier wohl nichts mit zu tun.
Ohne Ticket angereist, hätte ich auch wieder ohne abreisen können, wenn ich dem vertrauenswürdigen Fahnenverkäufer vorm Stadion nicht noch ein Ticket für 150$ abgekauft hätte. Aber wenn man schon mal da ist... Und wie sich herausstellte hab ich sogar einen super Platz bekommen, meinte zumindest mein Sitznachbar. Der hat mir allerdings wenig gebracht, außer der netten Gesellschaft einer australischen Familie, weil ich das Spiel nicht wirklich verstanden habe. Ich versteh ja wirklich jeden, der nichts für Fußball übrig hat, aber diese Leute sollten sich mal ein Rugby-Spiel anschauen!
Die Begeisterung der Leute ist aber unglaublich und mit nichts vergleichbar, was ich bis jetzt gesehen habe (Mal abgesehen von einem, ich nenne es mal Aussetzer, eines kahlköpfigen Herren, beim bis dato einzigen internationalen Auftritt des TuS Grün-Weiß! Da ist Begeisterung jetzt aber auch eigentlich das falsche Wort.). Vor mir in der Reihe saßen ca. 10 ältere Herrschaften, die mit Sicherheit mit dem Rollator vorgefahren sind und sich dann irgendwie auf ihre Plätze geschafft haben. Was sich dann allerdings nach Punkten der „All Blacks“ bei den „best - agers“ abgespielt hat, war der Wahnsinn! Als wäre man nochmal 18 wurden imaginäre Gehhilfen weggeschleudert und sich gefühlte 20cm in die Höhe geschraubt. Ich konnte auch Schreie der Damen vernehmen, die man hier nur von Tokio-Hotel Konzerten kennt. Das nenne ich mal Leidenschaft oder mittlerweile Passion.
Vor dem Spiel haben die „All Blacks“ ihren berühmten Haka, einen maorischen Ritualtanz, aufgeführt (hat seinen Ursprung nicht in Gräveneck!). Das war echt beeindruckend. Wer mag, kann sich das auch auf Youtube mal anschauen.
Das Spiel ging 22:16 für die „All Blacks“ aus und war jetzt nicht wahnsinnig aufregend, also für mich. Die Begeisterung der Reihe vor mir habe ich ja schon geschildert. Der Rest das Stadions stand dem aber in nichts nach. Immerhin hatte ich das Glück, einen total netten Australier neben mir sitzen zu haben, der mir hier und da mal was erklärt hat und, wie ein Fähnchen im Wind, bei jedem Punkt gejubelt hat. Was mich dann doch wieder dran zweifeln lässt, ob er das Spiel auch wirklich verstanden hat. Aber mit Sicherheit ist er glücklich nach Hause gegangen und das ist ja auch was. Er hat mir auch während des Spiels mit einer Mütze ausgeholfen, die er, wie kann es anders sein, in München im Hofbräuhaus erstanden hat. Er konnte sogar noch ein paar Brocken deutsch, was er in der Schule gelernt hat. Das war schon ok. Alles in allem wars dann doch ein netter Abend und man kann hinterher erzählen, dass man dabei war. Damals, Juli 2009 im Eden Park, Auckland!
Das eigentliche Highlight des Abends sollte aber noch vor uns stehen und uns an den Rande der Verzweiflung treiben. Wir haben uns nach dem Spiel direkt auf zum Auto gemacht. Das Problem war nur, dass es nicht mehr da war. Zumindest stand es nicht da, wo wir es vermutet haben. Aber schon nach zwei Stunden Suche, Anrufen bei Polizei und Abschleppdienst, Teilen unserer Vierergruppe und Absuchen mehrerer Blocks, konnten wir es wieder in die Arme schließen.
Heute hatte ich meinen ersten „richtigen“ Arbeitstag, was bedeutet um 9.30 im Büro anzutanzen, nette Gespräche zu führen und um 15.00 zum Training aufzubrechen. Habe heute dann auch den Chef der Kompanie vorgestellt bekommen. Sehr nett und mit gutem Deutsch ausgestattet! Übrigens ist auch im Büro Deutsch die Amtssprache. Sogar einer der Beiden Japaner spricht es, weil er mal zwei Jahre in Eisbachtal gekickt hat. Hab dann grad mal das Trikot der Eintracht – Akademie an die Wand genagelt bzw. gepinnt. Ganz romantisch neben den Kamin. Danach hatte ich ein Gespräch mit dem Miya, dem Headcoach der Academy. Er war früher Profi in Japan und hat dort unter anderem 3 Jahre mit „Litti“ zusammen gespielt. Das Gespräch hat auch ausnahmsweise auf Englisch stattgefunden (auch ganz witzig, keiner kann es richtig, aber man versteht sich). Er hat mich gebeten, sein Training für zwei Wochen zu übernehmen, damit er sich bei mir was abschauen kann. Ich schreibe das mal der dem Japaner eigenen Zurückhaltung zu. Sind auf jeden Fall alle sehr nett und interessiert!
Ein Wort noch zum „Auckländer – Chic“! Man mag es kaum glauben, aber hier ist der Jogginganzug absolut salonfähig, beinahe sogar mehr als das. Das ist wirklich unglaublich, wie viele und vor allem, wer alles zu diesem, in Deutschland jenseits der eigenen vier Wände zu unrecht verpöntem, Dress greift. Gestern hat uns eine nette, alte Dame nach irgendeinem Restaurant gefragt und das in einem selten hässlichen gelben Frottee – Jogginanzug mit lila Bündchen, den man in der Bundesrepublik nicht mal auf Fasching anziehen würde. Und das ist wahrhaftig kein Einzelfall. Wenn meine Kamera, deren Akku immer noch leer ist, weil ich auch das Ladegerät vergessen habe, gehen würde, hätte ich schon längst ein paar Schnappschüsse rausgehauen.
In diesem Sinne... bis zum nächsten Mal!
|
|
|
Klicken Sie auf die Bilder um diese in groß zu sehen!
|
|
|
geschrieben von André Bethke am 20.07.09 um 15:31
|
|
|
|
Kommentare
|
|
|
Um Kommentare schreiben zu können müssen Sie sich anmelden. Die Anmeldung benötigt nur wenige Sekunden und hält ein Leben lang ,-)
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|